Hallo Frau Ministerin Sommer!
Interview mit der Ministerin für Schule und Weiterbildung von Nordrhein-Westfalen

Seit Sommer 2005 hat das Bundesland Nordrhein-Westfalen eine neue Regierung, bestehend aus der Koalition von CDU und FDP. Und folglich hat es auch eine neue Schulministerin: Barbara Sommer. Sie ist Mitglied der CDU, kommt aus Bielefeld, ist 56 Jahre alt und hat fünf Kinder. Das Schulministerium ist ihr erstes politisches Amt. Die Lizzys und die Redaktion durften ihr ein paar Fragen stellen, die sie freundlicherweise zwischen Terminen, Sitzungen, Aktenbergen und Telefonaten für uns beantwortete.
Wie kamen Sie dazu, Bildungsministerin zu werden? War dies Ihr Wunschministerium?
Seit Beginn meines Berufsleben stand Schule für mich immer im Mittelpunkt. Lehrerin, dann Schulleiterin und Schulaufsichtsbeamtin waren die einzelnen Stationen. Seit Juni dieses Jahres bin ich nun Schulministerin. Ich konnte Schule aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln kennen lernen und viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Die Leitung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung ist der Höhepunkt meiner beruflichen Tätigkeit.
Was haben Sie an Ihrer eigenen Schulzeit besonders genossen, was hat Ihnen weniger gefallen?
Ich erinnere mich besonders gern an meine Grundschulzeit zurück. Mein Grundschullehrer hat sicherlich auch ein bisschen meinen späteren Berufswunsch beeinflusst. Mein Lieblingsfach war immer Deutsch. Mathematik hat mir dagegen weniger gefallen.
Wann begannen Sie, sich für Politik zu interessieren und aktiv mitzuwirken?
Ich bin seit 25 Jahren Mitglied der Christlich Demokratischen Union. Mein Beruf und meine große Familie sind mir sehr wichtig, so dass ich erst mit der Übernahme des Ministeramtes aktiv in die Politik eingestiegen bin.
Im Wahlkampf wurden für Nordrhein-Westfalen kurzfristig 4.000 zusätzliche Lehrer versprochen. Bis jetzt sind aber nur 1000 Lehrer neu eingestellt worden. Allerdings sind auch Lehrer in den Ruhestand gegangen. Kommen denn noch mehr neue Lehrer hinzu?
Der Unterrichtsausfall an unseren Schulen ist eines der großen Probleme, das die Landesregierung lösen will. Deshalb hat die Landesregierung beschlossen, über den Bedarf an Stellen hinaus, die beispielsweise dadurch frei werden, weil ein Lehrer in den Ruhestand geht, 4.000 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer bis zum Ende der Legislaturperiode einzustellen. Die ersten 1000 Lehrerstellen konnten schon unmittelbar nach den Sommerferien besetzt werden. Außerdem hat die Landesregierung die Mittel für Vertretungsunterricht erhöht. Für die Zeit von August bis Dezember entspricht diese Erhöhung einem Gegenwert von weiteren 1.000 Lehrerstellen.
Wir haben gehört, dass 60 Grundschulen abgeschafft werden sollen. Stimmt das? Und wenn ja, warum?
In den nächsten Jahren werden die Schülerzahlen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung stark zurückgehen. Die Landesregierung möchte trotzdem auch kleine Grundschulen erhalten. Meine Vorstellung von Grundschule ist die möglichst wohnortnahe Schule, die im Regelfall ebenso in einen Stadtteil oder ein größeres Dorf gehört wie ein Kindergarten. Dies bedeutet nicht notwendig, dass jeder Standort eine im Rechtssinne eigenständige Schule ist. Kleine Grundschulen als Zweigstellen an größere Grundschulen anzugliedern, erscheint mir eine gangbare, intelligente Lösung. Im Vordergrund steht für mich hierbei stets das Wohl der Kinder.
Soll es mehr Ganztagsschulen geben?
Mit der Qualitätsoffensive für die Hauptschulen möchte ich Ganztagsschulen mit insgesamt 50.000 vollwertigen Ganztagsplätzen bis zum Jahr 2012 sowie ein neues pädagogisches Konzept für die Hauptschule aufbauen. Die neue Ganztagshauptschule wird sich deutlich von den bisherigen Ganztagsangeboten unterscheiden. Sie soll vollwertige und verbindliche Ganztagsschule werden und besondere Förderangebote in schulischer Verantwortung aufbauen. Neben schulischen Förderangeboten sollen auch Maßnahmen außerschulischer Partner, die von Kultur über Musik bis hin zum Sport reichen, wie auch die Themen aus Wirtschaft und Handwerk betreffen, angeboten werden.
Planen Sie eine individuelle Förderung von Kindern (z.B. hochbegabte Kinder) an allen Schulen?
Ich möchte, dass alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Stärken aber auch mit ihren Schwächen individuell gefördert werden. Auf dieser Grundlage wird auch eine Förderung begabter Schülerinnen und Schüler sowie eine Hochbegabtenförderung entwickelt.
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Autorin: Redaktion - Stand: 24. November 2005