Ein Ideenministerium wäre meine erste Amtshandlung
Schneewibkchen führte ein Interview mit Martin Baltscheit alias Jasmin Behringer, Protagonistin des Buches "Ich und die Kanzlerin".

Die Bundesrepublik Deutschland besteht aus sechzehn Bundesländern, hat eine Kanzlerin, ein Grundgesetz und 84 Millionen Einwohner. Was jedoch eigentlich dahinter steckt und was unsere Gesetze bedeuten, weiß ein Großteil der Einwohner nicht. Was macht eigentlich die Kanzlerin genau? Wer arbeitet alles im Bundeskanzleramt? Wie sieht es in diesem Gebäude in Berlin überhaupt aus? Es wird Zeit, dass sich diesen Fragen jemand stellt. Jasmin Behringer, eine vierzehnjährige Schülerin berichtet in ihrem Buch "Ich und die Kanzlerin" von ihrem Praktikum im Bundeskanzleramt. Sie beantwortet alle Fragen, die Jugendliche in ganz Deutschland sich zur Bundesrepublik stellen und gibt einen Einblick in den Alltag des Bundeskanzleramts. Schneewibkchen führte ein Interview mit Jasmin Behringer (die eigentlich nur eine literarische Erfindung vom Autor Martin Baltscheit ist).
Was wäre das Erste, das du machen würdest, wenn du Kanzlerin wärst?
Ein Verhältnisministerium. Das setzt die Dinge ins Verhältnis. Ein kleines Beispiel: Ich denke: Oh, wie grauenhaft, 12 Schuljahre! Das Ministerium aber zeigt auf, wie unendlich viele Kinder auf dieser Welt gar nicht lernen dürfen, dann beruhige ich mich wieder, bin ein bisschen dankbarer und nutze meine Chance. So ein Verhältnisministerium rückt die Köpfe wieder gerade und macht die Unzufriedenen zufriedener, vielleicht. Ist nur so eine Idee ... ach ja Idee, wahrscheinlich würde ich zuerst neue Ideen sammeln und sehen was man davon langfristig umsetzen kann. Ein Ideenministerium also, ich glaube das wäre meine erste Amtshandlung. Dann kann ich mich in Ruhe um die Krisen kümmern, und das Ministerium erfindet Ideen für eine bessere Zukunft.
Ein Politiker hat sehr viel zu tun. Glaubst du, als Kanzlerin hat man überhaupt noch Zeit für seinen Mann, seine Freunde und seine Kinder? Oder wird der Beruf zum eigentlichen Leben?
Zeit für Familie? Das glaube ich nicht dran. Ich glaube Kanzler bist du ausschließlich. (Ist man ja aber auch nicht für immer!)
Wie findest du es, dass wir als Jugendliche, die Kanzlerin erst ab 18 wählen dürfen? Wir haben doch schließlich auch eine Meinung. Vielleicht sollte man sogar einen Kinderkanzler anschaffen. Wie fändest Du das?
Oh, nein, kein Kinderkanzler! Aber ein Ministerium für Kindheit und Jugend mit einem klugen erwachsenen Minister! Da brauchen wir jemand der für uns denkt! Und wählen möchte ich schon ab 12! Dann müssen die Politiker ihre Politik endlich einmal verständlich erklären, wahrscheinlich würden die meisten Erwachsenen das dann auch das erste Mal verstehen.
Nach deinem Praktikum, wo würdest du jetzt am liebsten im Kanzleramt arbeiten?
In der Küche! Das schmeckt Politik am besten. Nein, im Ernst ich würde gerne in Bildungsministerium arbeiten und an den Reformen der Schulreformen mitdenken. Ich will wieder entspannter zur Schule gehen oder sagen wir, ich will anders lernen. (Oder sogar Anderes lernen). Mein Onkel sagt, Schule sollte mit 16 für alle vorbei sein und dann sollte man ein Handwerk machen, oder reisen, oder ein soziales Jahr, oder Entwicklungshilfe, oder seine Talente fördern - auf jeden Fall weg von zu Hause etc. na ja, ich glaube es gibt eine Menge worüber man nachdenken kann, und die richtig guten Ideen, die sind vielleicht noch gar nicht auf dem Tisch.
Während deines Praktikums hast du dir immer wieder Sachen ausgemalt und vorgestellt. Der Leser wurde unter die Spree zu den Altkanzlern mitgenommen und hat deine eigene Rede miterlebt. Was stellt Frau Merkel, unsere wirkliche Kanzlerin, sich vor?
Ich weiß nicht, was sie sich vorstellt, alle sagen ja, sie stellt sich gar nichts vor, sondern sieht nur zu, wie sie aus den Krisen wieder lebendig rauskommt. Ich würde mir wünschen, sie hätte ein Bild von der Zukunft im Kopf, hat sie bestimmt auch, aber in dem Job ist vielleicht wenig Zeit für Gedankenspiele á la "Wie sieht die Welt von morgen aus?" Mich würde interessieren, was den Menschen glücklich macht, jenseits von Rendite! Rendite! Da geht mein lieber Onkel mir auch ziemlich auf die Nerven, der macht keine Pausen, ackert nur, hat keine Kinder, nur seinen Beruf und ich habe keine Ahnung, warum der eigentlich auf der Welt ist. (Außer für mich und meine Karriere natürlich.)
Ganz vorsichtig gefragt: Wie findest du den Ausgang der Bundestagswahl 2009?
Ach weißt du, ich bin ja eher neugierig. Jetzt sehen wir was passiert, und dann wählen wir neu.
Können wir auf weitere Praktikumsberichte (an interessanten Orten) von dir hoffen?
Na, mein Praktikum ist zu Ende. Und in den Vatikan lassen sie mich wohl nicht. Päpstin hätte mich noch gereizt. Jetzt mache ich erstmal Abitur und dann sehe ich weiter.
Was empfiehlst du, als nun erfahrene Autorin, Jugendlichen, die auch ein Buch schreiben wollen? Hast du einen abschließenden Tipp für uns?
"Schreibe wer schreiben will und sucht euch gute Lehrer." Das ist nicht von mir, sondern von meinem Onkel, ich glaube in diesem Fall hat er Recht.
Danke für das Interview und viel Glück mit deiner Karriere!
Autorin: Schneewibkchen - Stand: 4. Januar 2009