"Wir wollen dass es Mädchen gut geht!"
Das "Bündnis Mädchenpolitik" setzt sich für eine Mädchen freundliche Gesellschaft ein

Während die Medien seit geraumer Zeit die "armen Jungs" als Bildungsverlierer bedauern und sich die Politik mehr mit dem Ausbau von Jungenangeboten als mit der Mädchenförderung beschäftigt, gibt es zum Glück immer noch Frauen, die sich nicht von kurzsichtigen Analysen blenden lassen und für eine bessere Welt für Mädchen eintreten. Im Bündnis Mädchenpolitik haben sich ca. 10 verschiedene Organisationen zusammengeschlossen, die in NRW landesweit für und mit Mädchen arbeiten, z.B. in Jugendverbänden, in Jugendzentren oder Beratungsstellen. Die Beteiligten treffen sich ca. vier mal im Jahr, um zu heraus zu finden, was Mädchen wollen und brauchen, um gut zu leben und aufzuwachsen. "Es ist garnicht so leicht, das herauszufinden, weil Mädchen ja sehr verschieden sind und Verschiedenes wollen und brauchen." erzählen uns die Mädchenarbeiterinnen. Wenn sie sich treffen, berichten sie sich gegenseitig von ihrer Arbeit. "Es ist wichtig, zu wissen was andere planen, denken und tun. So können wir uns in unserer Arbeit ergänzen und bereichern." Außerdem sprechen sie mit PolitikerInnen in NRW und teilen ihnen mit, was sie tun können, damit es Mädchen gut geht. Deshalb hat das Bündnis Mädchenpolitik auch die mädchenpolitischen Forderungen erstellt. Am 9. Mai werden neue PolitikerInnen in den Landtag gewählt. Das Bündnis will ihnen jetzt schon sagen, wass sie in den nächsten fünf Jahren für Mädchen tun können und tun sollen. LizzyNet fragte genauer nach:
In welchen Bereichen sehen sie momentan noch die größten Benachteiligungen von Mädchen?
Ich finde es sehr schwierig, dass Mädchen zwar mittlerweile die gleichen Rechte haben wie Jungen, dass sie aber oft andere Erfahrungen machen: zum Beispiel bekommen Mädchen weniger Taschengeld als Jungen, sie können oft nicht so frei die Welt erkunden, haben Angst vor sexuellen Übergriffen oder erleben Gewalt in der Familie. Besonders schwierig ist es für Mädchen, die auch sonst unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, z.B. weil ein Elternteil krank ist, weil wenig Geld da ist, weil sie sich in Mädchen verlieben, weil sie aus einem anderen Land kommen und die deutsche Sprache noch nicht so gut sprechen oder durch eine Krankheit eingeschränkt sind. Ich finde schwierig, dass es immer noch feste Bilder davon gibt, wie Mädchen sein sollen. Früher sollten Mädchen brav sein. Heute müssen sie stark sein. Sie sollen aber bitte auch nicht zu stark sein. Das ist ganz schön verwirrend und es ist nicht so einfach "Du selbst" zu sein, wenn deine Freundinnen, Eltern oder LehrerInnen ein festes Bild davon haben, wie du sein sollst.
Zur NRW-Landtagswahl hat das Bündnis Mädchenpolitik einen Katalog mädchenpolitischer Forderungen aufgestellt. Was sind dabei die wichtigsten Forderungen?
Wir wollen zum Beispiel, dass Mädchen mitentscheiden können, welche Freizeitangebote es in ihrer Stadt gibt. Wir wollen, dass es schöne Orte gibt, an denen Mädchen sich treffen können. Wir wollen, dass Mädchen etwas Neues ausprobieren und kennen lernen können. Wir wollen, dass die Schule ein Ort ist, an dem Mädchen sich wohl fühlen und an dem sie gut lernen können. Wir wollen, dass Mädchen die ein Problem haben oder die Gewalt erlebt haben Hilfe bekommen. Wir wollen, dass sich Erwachsene für das, was Mädchen erleben interessieren und dass sie sich dafür einsetzen, dass es Mädchen gut geht.
Welche Forderungen haben gute Chancen, von einer neuen Landesregierung eingelöst zu werden?
Das Land finanziert durch den "Kinder- und Jugendförderplan des Landes" Projekte für Mädchen, zum Beispiel Videoworkshops, Jugendfreizeiten oder Selbstbehauptungskurse. Wir hoffen, dass es dafür auch weiter Geld gibt. Besser wäre es sogar, wenn es dafür mehr Geld geben könnte. Wir hoffen auch, dass es mehr Geld für Beratungsstellen für Mädchen und Mädchenhäuser, in denen Mädchen Schutz finden können gibt. Wir hoffen, dass alle Mädchen die Bildung bekommen, die sie brauchen und dass sie dafür kein Geld bezahlen müssen.
Welche Beteiligungsformen gibt es für Mädchen selbst, diese Forderungen zu unterstützen?
In manchen Städten, z.B. in Lippstadt und Gladbeck gibt es Mädchenarbeitskreise, die Mädchen danach fragen, was sie wollen und brauchen. Ihr könnt auch selbst aktiv werden und dem Bürgermeister oder der Bürgermeisterin einen Brief schreiben. Ihr könnt z.B. in euer Stadt Plätze fotografieren, an denen ihr Euch wohl oder unwohl fühlt. Vielleicht findet ihr eine Zeitung, in der ihr das veröffenltichen könnt? In manchen Städten gibt es auch Jugendparlamente. Auch im Sportverein, im Jugendzentrum oder in Jugendverbänden und Parteien könnt Ihr euch beteilgen. Manchmal gibt es auch interessante Foren im Internet, z.B. unter www.youglenrw.de, www.sinnvollwaehlen.de oder www.gezoomt.de. Auch in der Schule gibt es Möglichkeiten, sich zu beteiligen, z.B. in AGs oder der SchülerInnenvertretung. Beteiligung muss oft garnicht in so großen Projekten stattfinden. Sie fängt da an, wo ihr euch für das, was euch wichtig ist einsetzt. Am Ende kommt nicht immer das dabei heraus, was man sich am Anfang versprochen hat, aber es kann große Freude machen, wenn sich auch kleine Dinge verändern. Wenn ihr nicht so richtig wisst, an wen ihr euch in eurer Stadt wenden könnt, könnt ihr uns gerne anrufen. Wir können euch vielleicht helfen, in eurer Stadt AnsprechpartnerInnen zu finden. Auf unseren Websites stehen auch Einrichtungen für Mädchen: www.maedchenarbeit-nrw.de, www.maedcheninnrw.de, www.gender-nrw.de.
Wie sieht Ihr Traum von einer Mädchen freundlichen Gesellschaft aus?
Mein Traum ist, dass Mädchen sich frei bewegen und entfalten können. Dass sie sich so fühlen dürfen, wie es sich gerade anfühlt: stark, verletzlich, unsicher, klug, wütend, neidisch, verliebt, traurig, schön... Mein Traum ist, dass alle Mädchen gut aufwachsen, lernen und leben können. Mein Traum ist, dass Mädchen und Jungen, Frauen und Männer verschieden sein dürfen und dass sie respektvoll miteinander und mit der Welt umgehen.
Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!
Autorin: Bündnis Mädchenpolitik, Rosi Stolz - Stand: 31. März 2010