Flirttipps für die Traumfigur

Rollenverteiler Jugendzeitschriften

Die Sonne scheint und es ist warm. Da fehlt nur noch eine schöne Zeitschrift, mit der ich es mir auf der Terrasse gemütlich machen kann. Ich stehe vor dem bunten Blätterwald in unserem Supermarkt. Bei so viel Auswahl weiß ich nicht, ob ich wirklich zu meiner Lieblingslektüre greifen soll. Warum nicht mal was Neues ausprobieren? Eigentlich gehöre ich nicht zu den Mädels, die wöchentlich Bravo, Mädchen, Sugar oder Yam lesen. Warum? Ganz einfach: Die Themen sind mir zu einseitig. Liebe, Sex, Beauty, Stars und Sternchen. Hier und da ein Horoskop.
Aber wie heißt es so schön? Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Das gilt auch für Jugendzeitschriften. Die bunten Jugendblätter erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Warum eigentlich? Ich starte einen Selbstversuch und kaufe mir ein paar Hefte.

Themenvielfalt wie im Wunderland
Schönheit oder vielmehr Beauty ist ein Thema, das sich durch alle Ausgaben zieht. Schminktipps, das passende Outfit für Party oder Schule, glänzende Haare und schöne Haut. Mit Hilfe der deutschen Jugendblätter ist der perfekte Look gesichert. Damit die junge Zielgruppe die angesagten Trends auch wirklich beachtet, werden sie meistens von großen und kleinen Berühmtheiten vorgeführt.
Natürlich werden auch Sex und Liebe heiß diskutiert, kein Blatt lässt diese Themen aus. Da gibt es Kuss-Nachhilfe und Antworten auf höchst intime Fragen. Und damit die Ferien auch ein voller Erfolg werden, dürfen Spielregeln fürs Flirten nicht fehlen.
"Tricks für deine Traumfigur!", sticht es mir von einem Titelblatt ins Auge. Irgendwie sind die Mädchen in den Zeitschriften schon früh am Morgen super in Form. Sie haben selbstverständlich feinporige Haut und sofort das passende Rezept gegen einen "Bad-Hair-Day".

Was geht denn hier ab?
Aber Moment mal! Was hat das eigentlich mit der Realität zu tun? Gut, es ist wirklich heiß bei mir auf der Terrasse. Aber so sehr kann die Sonne mir doch noch nicht zugesetzt haben! Begegnen mir denn wirklich nur gertenschlanke Mädels und Jungengesichter, die noch nicht mal wissen, wie ein Pickel aussieht? In der Blätterwelt sind alle jungen Leute schön, knackig braun und gut gelaunt. Es ist ganz klar, dass die Traumfigur etwas ist, was alle anderen Jugendlichen unbedingt auch haben müssen. Von den neuesten Klamotten in Größe 36 mal abgesehen. Aber was ist zum Beispiel mit Essstörungen und Schulden? Ich finde es nicht erstrebenswert, nach dem Rollenbild zu leben, das ich hier vor mir sehe. Ich fühle mich wohl in meiner Haut!

Wie wäre es denn, mal was Neues auszuprobieren?
Beispielsweise: Ich bin so, wie ich bin. Und ich mag mich. Pickel sind zwar doof, aber sie sind eben da. Ich lese gerne Romane, auch wenn das gerade nicht in ist. Und ich passe schon lange nicht mehr in Kleider mit der Größe 36. Na und? Das ist eher die Realität. Einige Jugendmagazine haben das erkannt. Neben den Standardthemen darf ich beispielsweise über Gewalt in der Schule, Tiere, die ausgesetzt werden und das Reiseziel Sardinien lesen. Manchmal ist es sehr aufschlussreich, etwas Neues auszuprobieren.


Autorin: Stefanie Hiekmann, schekker.de - Stand: 23. Mai 2007
 
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