Noch mehr Tests
Tina und Marlou geben ihr Urteil ab

Nächster Anruf
Als nächstes rufen wir bei CHRIS, dem christlichen Sorgentelefon an. Da meldet sich ein murriges "Hm". Erst fürchten wir, uns verwählt zu haben, dann erklärt eine ältere Frau gelangweilt auf die Frage nach Hilfe: "Dazu muss man erst einmal das Problem desjenigen kennen." Aber diejenige sitzt ja schon höchst persönlich am anderen Ende der Leitung. Teilnahmslos lässt sich die christliche Beraterin Marlous Geschichte schildern. Sie rät der Verzweifelten, an der Beziehung festzuhalten. Immerhin: "Männer sind anders als Frauen. Sie denken in Schubladen. Sie können ihre Gefühle einfach abschalten. Frauen sind empfindsamer. Die Männer brauchen die Frauen, um Verantwortung und tiefe Gefühle kennen zu lernen. So hat Gott es gewollt." Marlou solle eine Brücke bauen – am Besten mit einer SMS. Ihren Freund zum Gespräch bitten, für das sie sich mit einer Pro-Liste seiner Eigenschaften wappnen soll. Das sei gut für Marlou, schließlich sei sie ja der Kumpeltyp, dessen Seele sonst zerbreche. Aber sie solle auch nicht zu hart zu ihrem Freund sein. Immerhin könnte die angebliche Freundin ihn ja auch verführt haben? Unser Fazit: Bei CHRIS findet man keinerlei ernsthafte Beratung. Die Mitarbeiter scheinen überfordert mit jugendlichen Problemen. Die Tipps sind völlig abwegig und wenig hilfreich.
Das letzte Telefonat: Die Bremer Hotline
Zum Schluss testen wir die Bremer Hotline. Beim Sorgentelefon von "Aktion 2000" meldet sich als einzige eine Fachfrau – und sogar mit Namen: Diplompsychologin Ines Schäferjohann hat eine einfühlsame Stimme und zeigt sich im Gespräch sehr sensibel. Sie lässt Marlou in aller Ruhe erzählen und geht auf sie ein: "Natürlich hast du das Recht, enttäuscht, wütend und traurig zu sein. Es ist auch ganz normal, sich erst einmal hängen zu lassen. Du bist ja auch doppelter betrogen worden: Von der Freundin und dem Freund." Marlou solle sich die Zeit zum Traurigsein nehmen, aber auch noch mal mit dem Freund reden. "Vielleicht schreibst du erst einmal einen Brief, in dem du ihm deine Gefühle schilderst", schlägt die Fachfrau vor. Marlou soll herausfinden, ob sie noch glücklich ist, wenn sie weiterhin mit dem Freund zusammenbleibt. Und sie hat noch ein trostreiches Beispiel: "Aus meiner Arbeit weiß ich, dass sogar Jugendliche mit einem Todesfall in der Familie nach einem Jahr schon wieder fröhlich sind. Also Kopf hoch!" Zum Schluss betont die Psychologin noch einmal, dass Marlou jederzeit wieder anrufen kann. Unser Fazit: Bei "Aktion 2000" gibt es einfühlsamen Rat vom Experten. Wer dringend professionelle Hilfe braucht, sollte diese Nummer wählen.
Dies ist zugegebenermaßen nur eine Stichprobe, und die Einschätzung von Tina und Marlou soll keineswegs die Arbeit der sehr engagierten MitarbeiterInnen von Sorgentelefonen schlecht machen. Schließlich ist es ja auch Zufall, wer da am Apparat sitzt. Deshalb sind wir gespannt auf eure Kommentare und Erlebnisberichte!
Hier die Meinung von
Autorin: Tina Groll - Stand: 7. Dezember 2005