JedeR Vierte liest keine Bücher
Studie über das Leseverhalten in Deutschland
Gerade wurde die Studie "Lesen in Deutschland 2008" der Stiftung Lesen veröffentlicht, für die über 2.500 Jugendliche und Erwachsene nach ihren Lesegewohnheiten befragt wurden. Das Ergebnis: Die Deutschen finden Bücher lesen zwar wichtig, tun es aber nicht!
Bücherfresser sterben aus
Ganze 25 Prozent sagten nämlich, dass sie nie ein Buch in die Hand nehmen! Und auch die Anzahl der jährlich gelesenen Bücher ist gesunken: Nur 3 Prozent der Leser gehören zu den wahren Bücherfressern, die mehr als 50 Bücher pro Jahr verschlingen. Der Großteil (44%) liest nur 1 bis 5 Bücher pro Jahr; und auch die Gelegenheitsleser (zwischen 11 und 50 Büchern pro Jahr) verzeichnen einen Schwund von 31 auf 24 Prozent.
Keine Büchergeschenke für Kinder
Professor Aufenanger von der Stiftung Lesen findet aus diesem Grund, dass die Studie das "Verschwinden des klassischen Gelegenheitslesers mit einem bis vier gelesenen Büchern im Monat" dokumentiert. Darüber hinaus belege die Studie das Fehlen eines besonders wichtigen Leseimpulses: 45 Prozent der 14- bis 19-Jährigen erklären, dass sie als Kind nie ein Buch geschenkt bekamen. Traurig, oder?
CD-Regale statt Bücherwänden?
Im Vergleich den letzten Lesestudien (1992 und 2000) hat auch die Anzahl der Bücher in den Haushalten abgenommen. Denn nur noch 6 Prozent der Befragten sagten, dass sie mehr als 250 Bücher zu Hause haben, aber ganze 57 Prozent besitzen weniger als 50 Bücher. Passen Bibliotheken und große Bücherwände etwa nicht mehr zum aktuellen Wohnstil? Oder mussten sie einfach nur CD- und DVD-Regalen weichen?
Die "neue Lese-Mittelschicht"
Nun denn: Erfreulichere Ergebnisse gab es auch. Ein Fokus der Studie lag nämlich auf Menschen mit Migrationshintergrund und dort kam sie zu einem "bemerkenswerten" Ergebnis: 36 Prozent von ihnen lesen ein- oder mehrmals in der Woche und 11 Prozent sogar täglich. Damit greifen sie mindestens ebenso häufig zum Buch wie der Bevölkerungsdurchschnitt mit 36 Prozent wöchentlichen bzw. 8 Prozent täglichen Lesern. "Deutsch sprechende Migranten bilden eine neue 'Lese-Mittelschicht' - mit großem bildungspolitischen Potenzial", lautet das Fazit von Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär für Bildung und Forschung: "Ihre Mitglieder sind wichtige Multiplikatoren, um bildungsferne Schichten zu erreichen. Und sie belegen, dass die Vermittlung von Sprachkompetenz der Schlüssel für erfolgreiche Leseförderung ist."
Die ganze Studie im Netz:
Autorin: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 5. Dezember 2008