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Hilfe am Hörer

Tina und Marlou haben Sorgentelefone getestet und waren nicht immer zufrieden. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Diskussion erwünscht!

Liebeskummer, Streit, schlechte Noten: Man sitzt Zuhause und ist traurig. Die beste Freundin oder der beste Kumpel hat keine Zeit. Und mit den Eltern kann man auch nicht reden. Aber man möchte reden. Am besten mit jemanden, der einem zuhört, der einen versteht und sogar eine Lösung hat. Egal, ob Liebeskummer, Schulstress oder Zoff mit den Eltern, an Deutschlands Sorgentelefonen sitzen Menschen, die bemüht sind, einem zu helfen - oder auch nicht? Marlou Hundertmark und Tina Groll testeten im Auftrag der Jugendseite ZOOM der Tageszeitung Weser Kurier drei Sorgentelefone.

Der heiße Draht für Hilfe
Die "Nummer gegen Kummer" ist seit 1997 freigeschaltet. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800/1110333 bekommen Jugendliche an 95 Beratungstelefonen von Montags bis Freitag zwischen 15 und 19 Uhr den Rat von geschulten ehrenamtlichen Beratern. Wie qualifiziert die sind, stellt sich erst im Gespräch heraus. Hinter der "Nummer gegen Kummer" steckt ein gemeinnütziger Verein, Partner sind unter anderem die Deutsche Telekom, Daimler Crysler, der deutsche Tennisbund und Siemens.

CHRIS, das christliche Sorgentelefon, ist unter der Nummer 01801/201020 bundesweit Montags bis Freitags von 13 bis 19 Uhr zum Ortstarif erreichbar. An der Strippe hängen "Christen aus verschiedenen Gemeinden, die auf der Grundlage der Deutschen Evangelischen Allianz arbeiten. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Teeangern in Not Hilfe über das Telefon anzubieten", so der Wortlaut auf der offiziellen Homepage. Nach eigenen Angaben helfen sie bei Erpressung, Selbstmord, häuslicher Gewalt oder Christenfragen.

Das Bremer Sorgentelefon der "Aktion 2000 - Hilfe für Kinder" wird von der Diplom-Psychologin Ines Schäferjohann betreut. Sie ist seit 2003 Dienstags und Donnerstags von 15 bis 18 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800/3649120 erreichbar. Der Verein "Aktion 2000" hat seinen Hauptsitz in Bremen und unterstützt 48 Vereine und Projekte, die sich für den Schutz von Kindern stark machen.

Unser "Problem"
Das ist fast alltäglich: Liebeskummer. Marlou (17) spielt sich selber. Ihr Freund, so unsere Version, hat sie auf einer Party mit einer guten Freundin betrogen. Leider weiß sie das nicht von ihm - die Freundin gesteht ihr das Fremdknutschen am Telefon. Als Marlou ihren Freund zur Rede stellt, gibt er den Seitensprung wortkarg zu. Ob Schluss ist, weiß Marlou nicht. Sie ist verzweifelt - immerhin hat sie für ihren Süßen ihre Freunde vernachlässigt. Zu allem Überfluss geht er auch noch in dieselben Klasse. Sie hat Angst, ihren Freund wiederzutreffen. Darum hat Marlou schon einen Tag Schule geschwänzt. Mit den Eltern kann sie auch nicht reden. Sie meinen: "Bald findest einen Neuen!"

Der Test
Zuerst wählen wir die "Nummer gegen Kummer". Da ist besetzt. Erst nach dem 10. Versuch meldet sich ein junger Mann, der seinen Namen nicht nennt. Marlou schildert ihm ihre Geschichte. Der Berater fragt immer wieder nach - bis ins letzte Detail. "Wie weit ist der Seitensprung denn gegangen? Hat dein Freund dir die Details erzählt? Willst du die eigentlich wissen? Wie lange bist du mit ihm zusammen?" Die vielen Fragen verwirren. Recht bald wird klar, dass der Telefonseelsorger herausfinden möchte, wie stark Marlous Gefühle sind und wie ernst sie die Beziehung nimmt. Er versucht, ihr einen richtigen Rat zu geben. Dabei trifft er allerdings nicht immer die richtigen Worte. "Was könnte denn passieren, wenn du deinen Freund in der Schule wiedertriffst? Wenn alle sich für dich interessieren, kommen die Gefühle wieder hoch und du heulst vor dem Lehrer. Wenn sich keiner für dich interessiert - das wäre ja noch krasser." Trotz dieser Rosskur nimmt sich der Berater eine Stunde Zeit, mit Marlou zu sprechen. Am Ende schlägt er vor: "Ruf doch morgen noch mal an. Dann ist hier eine Frau. Die kann dir vielleicht noch einen weiblicheren Rat geben." Unser Fazit: Die "Nummer gegen Kummer" ist was für jemanden, der einfach nur reden will. Bei schwerwiegenderen Problemen kann man hier allerdings keine professionelle Hilfe erwarten.

 

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Autorin: Tina Groll - Stand: 7. Dezember 2005
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