Dirty Hand(y)s

Was haben Handys mit dem Kongokrieg zu tun?

Dachtest du vielleicht, „Machete“ wäre eine weit verbreitete Marke von AgentInnenhandys, die sich als tödliche und grausame Kriegswaffen enthüllen? Nein. So weit ist die Elektroindustrie in Kongo nicht. Machete ist doch ein ganz einfaches Buschmesser, das sowohl Lianen und Wildpflanzen absensen als auch Schädel spalten kann. Im Kongokrieg wurden – und werden immer noch – leider eher solche Handwaffen als Mobiltelefongeräte verwendet. Und Handys haben in dieser Geschichte doch ihren Platz. Nämlich im Zusammenhang mit Coltan.

*Für Handys braucht man Rohstoffe*
Das Mineral Coltan ist eine Mischung aus Niobit (auch Columbit genannt) und Tantalit. Soso. Das Interessante daran: Tantal ist eine „strategische Ressource“, teuer und selten, die im chemischen Anlagenbau, in der Raumfahrtindustrie und in der Computer- und Kommunikationstechnologie verarbeitet wird. Die Fabrikation von Handys benötigt also Tantal. In der „Demokratischen“ Republik Kongo kann man Coltan finden bzw. abbauen. Auch in Australien, Brasilien, Kanada, Malaysia und Nigeria kann Coltan gefunden werden, aber die grösseren Reserven liegen in der Umgebung von Kivu – in Kongo.

Die Ausbeutung von Rohstoffen gehört zu den üblichen Zielen eines Krieges. In dem Fall zählt Coltan mit Diamanten, Gold, Kupfer und Kobalt zu den begehrten strategischen Rohstoffen, die den Kongokrieg begründen, wie es in einem UN-Bericht zu lesen ist.

*Illegale Rohstoffbeschaffung - pfui. Gekauft wird trotzdem*
Der Krieg ist zwar offiziell beendet, doch der Konflikt u.a. um das Coltan wird weitergeführt. Mobiltelefonriesen wie Nokia, Ericsson und Motorola erklärten, die illegale Ausbeutung von Coltan in kongolesischen Naturschutzgebieten erschrecke sie. In der Branche sind die Handelsbeziehungen zu den LieferantInnen aber unklar, so dass das Erz transnationalen Konzernen weiterhin verkauft wird.

*Ausbeute fördert Krieg und gefährdet die Natur*
Das dabei illegal verdiente Geld wird zum Kauf von Kriegswaffen und sonstiger militärischer Ausrüstung verwendet. Nicht nur Menschen werden durch diesen Handel gefährdet, sondern auch die Natur: Bedrohte Tierarten wie der Graue Gorilla, der Elefant, der Schimpanse oder die Antilope werden von den Bergarbeitern – mehr als 10.000 im Ka-huzi-Biega-Naturschutzgebiet – zum Verzehr gejagt. Dr. George Schaller von der Wildlife Conservation Society verkündete der amerikanischen Zeitschrift Newsweek: „Die Elefantenpopulation wurde quasi ausgelöscht.“ Die Sprecherin von Pro Wildlife, Dr. Sandra Altherr, befürchtet, dass „die Zerstörung der Artenvielfalt von den Kriegsparteien sogar gewollt ist": Wenn der Park verwüstet und wertlos geworden sei, stehe der lästige Schutzstatus nicht länger im Weg.

*Besser leben ohne Handy?*
Die transnationalen Konzerne haben ihre Lieferanten darum gebeten, kongolesisches Coltan zu meiden. Doch schätzt das World Watch Institute, dass allein im Jahr 2002 250 Millionen Dollar durch die Ausbeutung des Coltan in Kongo von Ruanda einkassiert wurden. Transparenz ist dem Zusammenhang leider schwer zu erreichen – und wahrscheinlich von den beteiligten Konzernen nicht wirklich erwünscht. Die in der UNO-Untersuchung genannte Firma H.C. Starck ist eine hundertprozentige Tochter des Leverkusener Bayer-Konzerns. Nach Recherchen der Washington Post wurde zeitweise etwa die Hälfte des kongolesischen Tantals von Starck weiter verarbeitet. Die von Ruanda unterstützte Rebellengruppe RCD („Kongelesische Sammelbewegung für Demokratie“), die den Osten Kongos beherrscht, finanziert sich hauptsächlich durch Coltan. Auch RCD-Sprecher Kin-Kiey Mulumba bestätigt: „Es gibt viele Deutsche, die Coltan kaufen“. Und nun? Tantalersatzforschung fördern? Niob gilt schon als kostengünstiger Ersatz für Tantal. Doch ist Niob auch ein Bestandteil von Coltan... Weiterforschen? Das könnte leider noch viel Zeit und Leben kosten. Wie wäre es damit: Rechtstaat und Frieden in Kongo!? Oder ein Handy-Boykott? Fair-getradete Handys?

Mehr zum Thema Handy, wenn auch viel allgemeiner, findet ihr hier

Autorin / Autor: Céline Dedaj / Redaktion - Stand: 10. Oktober 2005