"Virtuelle und reale Welt sind verschmolzen"

Studie zur Bedeutung des Internets

Das Internet gehört fest zum Alltag der meisten Menschen: Für sechs von zehn Deutschen (58 Prozent) ist ein Leben ohne Web undenkbar geworden. Das ergibt eine neue Studie des Hightech-Verbands BITKOM. „Virtuelle und reale Welt sind in vielen Bereichen bereits verschmolzen“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer bei der Vorstellung einer Studie zum Leitthema der Messe CeBIT in Hannover. Für junge Menschen bis 29 Jahre sei das Web schon jetzt Medium Nummer 1 – weit vor Radio, Fernsehen, Zeitungen und Büchern.

"Digitaler Graben" nach hinten verschoben

71 Prozent der Deutschen nutzen inzwischen das Internet, ergab die repräsentative Umfrage des BITKOM. Die jungen und mittleren Altersgruppen sind zu mindestens 90 Prozent online. Auch die 50- bis 64-Jährigen nutzen jetzt mehrheitlich das Internet – zu 62 Prozent. „Der digitale Graben zwischen Onlinern und Offlinern hat sich nach hinten verschoben und liegt bei 65 Jahren“, so Prof. Scheer. „Wir müssen im Internet alle auf Augenhöhe bringen, alle Generationen miteinander vernetzen, auch das gehört zu einer ‚Connected World‘“, erklärte Scheer.

Jeder vierte würde einen Computerchip im Körper tragen

Jeder vierte Deutsche (23 Prozent) würde sogar einen Computerchip im Körper tragen, wenn es ihm bestimmte Vorteile verschafft. „Das ist sicher ein extremes Beispiel, wie weit die Vernetzung in der Vorstellung mancher Menschen gehen kann“, kommentiert Scheer. Nicht nur eine schnellere Rettung im Notfall oder mehr Sicherheit sind mögliche Szenarien: Fünf Prozent aller Deutschen würden sich sogar zum bequemeren Einkaufen einen Chip implantieren lassen, wenn solche Angebote verfügbar wären.

Internet: Wissensquelle und soziales Medium

Handfeste Vorteile in Beruf und Freizeit verschafft das Web bereits jetzt vielen Nutzern. 62 Prozent haben ihre Allgemeinbildung verbessert, jeder zweite (51 Prozent) seine berufliche Bildung. Fast ebenso viele (44 Prozent) haben Kontakte für den Job geknüpft. „Das Internet ist nicht nur eine Wissensquelle, sondern auch ein soziales Medium par excellence“, sagte Prof. Scheer. 57 Prozent der Surfer haben bestehende Freundschaften auffrischen können, und immerhin jeder dritte (36 Prozent) hat nach eigenem Bekunden gute Freunde kennengelernt.

Internet als Partnerbörse

Einen Boom legt das Internet als Partnerbörse hin: 18 Prozent aller Nutzer ab 14 Jahren, das sind rund neun Millionen Menschen, haben im Netz bereits einen festen Partner kennengelernt. 13 Prozent berichten von erotischen Bekanntschaften.

Verschmelzung von Beruf und Privatleben

„Auch Berufs- und Privatleben sind nicht mehr klar trennbar“, nannte Scheer eine Kernbotschaft der BITKOM-Studie. Bis zu 85 Prozent der Berufstätigen sind auch in ihrer Freizeit für Chefs, Kollegen oder Kunden erreichbar – per E-Mail, Handy oder Smartphone. Gleichzeitig nutzen 43 Prozent der Berufstätigen das Web während der Arbeit privat.

Jeder zweite Nutzer liest vor einem Kauf Bewertungen

Auch das Verhältnis von Wirtschaft und Verbrauchern verändere sich massiv, erklärte Scheer. Kunden erhielten durch Verbraucherportale einen Informations-Vorsprung. Jeder zweite Nutzer (48 Prozent) liest vor einem Kauf Bewertungen, die andere Verbraucher zu Anbietern und Produkten hinterlassen haben. In vielen Fällen wird dadurch die Kaufentscheidung beeinflusst. Nur wenige geben zur Zeit aber selbst Bewertungen ab (20 Prozent). In Zukunft geht es nicht nur um Meinungsmacht, auch um Mitgestaltung von Produkten: Bereits jeder fünfte Internet-Nutzer, 21 Prozent, will online an der Produktentwicklung beteiligt werden.

"Online zusammenrücken"

Scheer forderte die Bundesregierung auf, auch in der Politik die Chancen des Internets bestmöglich zu nutzen. „Staat und Bürger können online zusammenrücken – nicht nur durch ein mehr an Information, auch durch die Beteiligung an politischer Meinungsbildung.“ So müsse es eine breitere Diskussion geben, wie Freiheit und Sicherheit im Web vereinbar seien. 59 Prozent der Deutschen fordern, dass das Internet in der Politik eine größere Rolle spielt, so das Ergebnis der BITKOM-Studie.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 3. März 2010