Frauen und Kinder zuerst?
Nur bei langsam sinkenden Schiffen ...sagen Forscher.
Die Titanic sank in 2:40 Stunden. Von den 2.207 Menschen an Bord starben 1517. Die RMS Lusitania ging in 18 Minuten unter. Von den 1.949 Mitreisenden verloren 1.198 ihr Leben. Diese beiden Fälle haben Wissenschaftler um den Forscher Bruno S. Frey von der Universität Zürich mithilfe historischer Dokumente näher untersucht. Sie wollten herausfinden, ob Menschen sich in einer lebensbedrohenden Situation immer selbstsüchtig verhalten oder es nicht vielleicht Faktoren gibt, die zu einem Einlenken führen: etwa der Zeitfaktor. Denn die ForscherInnen vermuteten, dass bei längerer Bedenkzeit - wie beim langsamen Untergang der Titanic - ethische Grundätze wieder wichtiger werden und den Selbsterhaltungstrieb ("nichts wie weg hier!") überlagern können.
Welche Menschen überlebten bei den Unglücken?
Die Forscher werteten aus, welche Menschen bei den beiden Unglücken überlebt haben. Frauen, Kinder und Gebrechliche? Oder die Stärksten, Schnellsten und Gewandesten, die sich möglicherweise rücksichtlos einen Platz im Rettungsboot erkämpft haben? Tatsächlich gab es zwischen den beiden Schiffsunglücken deutliche Unterschiede. Während bei dem Turbo-Untergang der RMS Lusitania überwiegend junge Menschen zwischen 16 und 35 überlebten, wurden auf der Titanic die sozialen Normen offenbar hochgehalten: dort überlebten deutlich mehr Frauen und Kinder, und auch Passagiere der ersten Klasse hatten offenbar bessere Chancen auf einen Platz im Rettungsboot. Die Forscher glauben, dass der Zeitfaktor dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben mag. Je mehr Zeit zum Nachdenken bleibt, desto eher geraten die Instinkte in den Hintergrund und soziale und ethische Grundsätze kommen zum Tragen. Vermutlich haben aber noch andere Faktoren die Überlebenschance des Einzelnen beeinflusst.
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 2. März 2010