Villa Schatzsuche 2008
Christi Himmelfahrt 2008 verbrachten neun DiabetikerInnen, "Mukos" und "Onkos" , begleitet von zwei Erlebnispädagogen und einem dreiköpfigen Team der "Villa Kunterbunt" Trier, fünf erlebnisreiche Tage in Südfrankreich.
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Ich hänge an der Felswand und suche nach einem geeigneten Griff, in den ich meine Finger krallen kann, um mich weiter hochzuziehen. Unter mir fließt die Ardèche. Der Fluss schwingt sich in einem weiten Bogen durch das zerklüftete Tal und wenn ich meinen Kopf drehe, sehe ich die Bienen und Vögel, die ich so nur hören kann. Die Sicherungsmannschaft versucht mir Tipps zu geben, doch das hier ist meine Herausforderung! Für einen Moment blende ich das Vogelzwitschern, die Sonne und die Ardèche aus. Endlich finde ich einen Vorsprung und ziehe mich hoch. Geschafft - ich bin oben! Aus eigener Kraft und doch gehalten von der Mannschaft am Boden.
Vertrauen
Beim Abseilen merke ich, wie meine Arme und Hände zittern. Da ist für mich als Diabetikerin eine Blutzuckermessung angebracht. Wider Erwarten ist der Wert erhöht, doch nach einer schnellen Korrektur kann ich meine Position in der Sicherungsmannschaft wieder einnehmen.
Abends bei der Abschlussrunde reflektieren wir gemeinsam den Tag. Eine Teilnehmerin bringt das Gefühl aller auf den Punkt: "Ich habe heute gelernt, dass Menschen, wenn ich ihnen vertraue, mich auffangen, falls ich falle und dass ich mit einem zuverlässigen Team im Rücken auch Dinge schaffen kann, die ich mir normalerweise nicht zugetraut hätte."
Durchhaltevermögen
Dieser Transfer von den Aktionen in den Alltag ist ein Ziel der Erlebnispädagogik: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in Spielen und bei sportlichen Aktivitäten Grundprinzipien wie Vertrauen, Durchhaltevermögen, erwerben ein neues und anderes Selbstbewusstsein - und wenn sie dies mit nach Hause nehmen, bewusst oder unbewusst, war nicht nur der erlebnisreiche, sondern auch der pädagogische Anteil des Programms erfolgreich.
Starke Strömung
Am nächsten Tag geht es im Kanu auf der Ardèche weiter. Die Strömung ist stark und an manchen Stellen scheint kein Fortkommen zu sein - vor allem, da wir flussaufwärts fahren. Die Sonne strahlt vom Himmel, als wollte sie unsere Anstrengungen Lügen strafen und neben dem Kanadier, in dem ich gemeinsam mit Fabian gegen den Fluss kämpfe, paddeln gemächlich zwei Enten. Dennoch arbeiten wir weiter. "Und eins und zwei und eins und zwei…." Irgendwann geht mir die Puste aus, Fabian setzt den Rhythmus fort.
Grenzerfahrungen
Nach einer Ewigkeit, wie uns scheint, haben wir es geschafft - wir laufen in das nächste Kehrwasser ein, beide mit zitternden Armen, gepaddelt bis zur Erschöpfung. Jetzt erst einmal eine Banane, um den Blutzuckerspiegel wieder in die Höhe zu treiben - nach einer so großen Anstrengung ist das nötig. Grenzerfahrungen machen, das war ein Wunsch Vieler für diese Tour - und sowohl beim Klettern als auch beim Kanufahren ist das möglich. Gemeinsam mit Fabian und allen anderen habe ich beim gegen den Strom Paddeln sowohl physische als auch psychische Grenzen überwunden.
Gegen den Strom
Wie es bei der Abschlussrunde ein Teilnehmer treffend formuliert: "Heute habe ich erfahren, dass es zwar anstrengend, aber ein tolles Erfolgserlebnis ist, mit anderen gemeinsam gegen den Strom zu paddeln und dass man zusammen etwas erreichen kann."
Euphorie
"Für mich war die Erfahrung wesentlich, dass ich, wenn ich mich durchbeiße und mich voll und ganz auf eine Sache einlasse, das auch wirklich schaffen kann.", resümiert ein anderer.
Die Resonanz des ganzen Wochenendes nach dem gemeinsamen Abschlussgrillen fällt euphorisch fordernd aus: "Die Region ist wunderschön und unser Programm war klasse! Ich habe unglaubliche Erfahrungen gemacht - hoffentlich fahren wir nächstes Jahr noch einmal hierher, dann aber mindestens für eine Woche!"
Vive l’Ardèche et vive la Villa!
Autorin: firstmary - Stand: 10. Juni 2008
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